Auf zur Porridge-WM Haferbrei kochen!
Am 1. Oktober packt Karin allerlei Geschirr und Zutaten ein und fährt mit dem Zug in den Norden von Schottland. Damit sie (hoffentlich) rechtzeitig ankommt, um am 4. Oktober Österreich zu vertreten bei der Weltmeisterschaft im Porridge-Kochen. Der Bewerb findet im schottischen Carrbridge statt – wer per Livestream mitschauen möchte, wenn 30 Personen über den Tag verteilt Haferbrei kochen, findet Informationen dazu auf goldenspurtle.com (es ist angekündigt, dass es einen Livestream auf der Facebookseite geben wird und via Youtube). Karin und auch ihre direkte Konkurrentin und Freundin Antonia kochen um 12:15 (österreichische Zeit). Die Person die am Ende des Tages das Finale gewinnt, bekommt eine Statue des goldenen „Spurtle“ – so heißt das traditionelle Holzwerkzeug mit dem Porridge gerührt wird.

Karins Bewerbungstext für die WM
Karin lives in Austria’s Waldviertel region – a place that could poetically be described as the Highlands of Austria, with its granite landscape, acidic soils, cool climate, remote charm, and streams that share the same color as the local beer. She uses products from her family’s farm to compose the perfect porridge. Karin also brings a Waldviertel version of the Scottish spurtle – hand-carved from the peeled tip of a spruce, traditionally taken from a Christmas tree. And it has one particular advantage: it’s perfect for stirring counterclockwise, as the devil doesn’t feel compelled to appear when you do.
Deutsche Version: Karin lebt im österreichischen Waldviertel – eine Region, die man poetisch als die „Highlands“ Österreichs bezeichnen könnte, mit seiner Granitlandschaft, den sauren Böden, dem kühlen Klima, dem abgelegenen Charme und den Bächen, die dieselbe Farbe haben wie das lokale Bier. Sie verwendet Produkte vom Bauernhof ihrer Familie, um den perfekten Porridge zuzubereiten. Karin bringt auch eine Waldviertler Version des schottischen „Spurtle“ mit – handgeschnitzt aus der geschälten Spitze einer Fichte, die traditionell von einem Weihnachtsbaum stammt. Und dieser hat einen besonderen Vorteil: Es eignet sich perfekt zum Rühren gegen den Uhrzeigersinn, da der Teufel sich dann nicht bemüßigt fühlt, zu erscheinen.
Wie gibt’s denn so was?
Früh geprägt mit Spaßmeisterschaften wie Bauerngolf wurde Karin offensichtlich vom Größenwahn gepackt. Nachdem sie auf der Bauerngolf-Österreichmeisterschaft in der Prannleithen schon mal Vizestaatsmeisterin im Zielweitwurf der Damen war, weil sie aus 17 m Entfernung einen Gummistiefel in eine Scheibtruhe geschossen hatte, war es auch zu diesem Bewerb nicht mehr weit. In Wahrheit haben Antonia – eine gute Freundin – und Karin einfach einen Hang zu lustigen Aktionen. Antonia hat vor ein paar Jahren in „die Zeit“ einen Artikel über die Porridge-WM gelesen, woraufhin Karin gleich einen Spurtle aus Lindenholz besorgt und ihn Antonia zum Geburtstag geschenkt hat – dazu noch eine ausführliche, aus Recherchen zusammengestellte Broschüre mit dem Titel „be prepared to prepare the best porridge in the world“. 2 Jahre später haben sie sich beworben und sind jetzt tatsächlich dabei bei den 30 Teilnehmenden.
Wer hats erfunden?
Die erste Idee zu dem außergewöhnlichen Bewerb stammt von Roger Reed aus Carrbridge. Er wollte den Bekanntheitsgrad des kleinen Ortes steigern und beim Spaziergang mit dem Hund kam ihm die Idee, eine Weltmeisterschaft im Porridgekochen zu veranstalten. Inspiriert war er von anderen ländlichen Orten in Großbritannien, die Meisterschaften in allerhand lustigen Disziplinen haben. Seitdem organisieren engagierte Ehrenamtliche jährlich den „Golden Spurtle“. 2025 findet nun schon der 32. Bewerb statt.
Die Welt der Spaßweltmeisterschaften
Anscheinend sind Briten echt Weltmeister im organisieren lustiger Weltmeisterschaften. Bei der World Conker Championship in Ashton (England) schlagen die Teilnehmer*innen eine auf einer Schnur aufgefädelte Rosskastanie gegen die des Gegners bis eine davon zerbricht. In Tinsley Green (England) finden die World Marbles Championships statt – in der mit Glasmurmeln gespielt wird. Beim „Cooper’s Hill Cheese Rolling“ (England) jagen Menschen einem rollenden Käse über einen steilen Hügel nach – die schnellste Person gewinnt. Dann gibt’s noch Schneckenwettlauf bei den „World Snail Racing Championships“ und bei den „World Pea Shooting Championships“ werden getrocknete Erbsen mit Blasrohren auf eine Zielscheibe geschossen. Wenn man ein bisschen recherchiert, sind aber die Finnen auch gut im Rennen – dort gibt’s Air Guitar World Championship – wer besser mit der Luftgitarre spielt gewinnt. Oder “Wife Carrying World Championship” oder die “Mobile Phone Throwing Championship”.
Spaß mit Wirkung
Auf den ersten Blick wirken solche Spaßbewerbe vor allem unterhaltsam – gerade in kleinen Gemeinden haben sie jedoch auch eine Bedeutung für die Regionalentwicklung. Veranstaltungen wie diese bringen Medienpräsenz und Besucher*innen an Orte, die abseits solcher Events kaum internationale Aufmerksamkeit bekommen würden. Zum Beispiel hat Karin im Vorfeld der WM dem Wall Street Journal ein Interview gegeben, was man wohl eher als Ausnahmefall betrachten kann. Solche Bewerbe setzen wirtschaftliche Impulse, fördern den Zusammenhalt in der Gemeinschaft und stärken das regionale Selbstbewusstsein. Als originelles Alleinstellungsmerkmal tragen sie zur Identität der Region bei – und das auf nachhaltige Weise, ganz ohne aufwendige Infrastruktur oder großangelegte Prestigeprojekte.
Reduziert auf die Essenz
Zusammengefasst vereint die Teilnahme an diesem Event mehrere Aspekte, die Karin besonders am Herzen liegen: Es geht um das Feiern einer Freundschaft mit der gemeinsamen Vorliebe für außergewöhnliche Aktionen, um die Unterstützung ländlicher Entwicklung und die Wertschätzung lokaler landwirtschaftlicher Produkte, um die Freude am kreativen Selbermachen, den kulturellen Austausch und die Liebe zum Essen. Und schließlich den inklusiven Charakter der Veranstaltung, bei dem das gemeinsame Erleben im Vordergrund steht, wenn Anfänger*innen und auch Profis in der Küche ihre Porridge-Kreationen kochen. Bei Spaßmeisterschaften geht es vor allem um Lebensfreude, Gemeinschaft und auch eine Liebe zum Unsinnigen und Spielerischen. Und das muss man eh öfter feiern.
Zwei Disziplinen: „Traditional Scottish Porridge“ und das Spezialitätenrezept
In der halben Stunde Kochzeit muss man beim Bewerb 2 Gerichte kochen. Zum einen den „Traditional Scottish Porridge“, der ausnahmslos aus 3 Zutaten besteht – nämlich Hafer, Wasser und Salz. Und damit alle auch ihrer Kreativität ein bisschen freien Lauf lassen können noch ein Spezialitätenrezept. Dabei wollte Karin die Ähnlichkeiten zwischen dem Waldviertel und den schottischen Highlands aufgreifen und gerne Produkte direkt vom Hof und dem Waldviertel verwenden. Sie hat experimentiert mit Hanfnüssen, Haselnüssen, Äpfeln, Birnenbalsamessig, gekocht, ausprobiert, verworfen. Das Rezept, mit dem sie nun antreten wird – hat eine leichte Holunderblütennote und ein Topping aus Himbeeren, Mohn und Honig mit einem Schuss Birnenbalsamessig. Hier ein Foto von einem der vielen Test-Porridges.

Die größte Herausforderung war allerdings der Hafer. Denn die in Österreich für Müsli oder Porridge üblichen Haferflocken sind bei der WM tabu – die gehören nicht in einen „Traditional Scottish Porridge“ – da darf nur „oatmeal“ rein – und dazu gehören „steel cut oats“ und „oatflour“.
Die kulturellen Unterschiede der Haferverarbeitung
Um herauszufinden was das ist, war viel Recherche nötig. So richtige „steel cut oats“ bzw. „Hafergrütze“ gibt’s hier nicht zu kaufen – das sind mit Klinge in mehrere Teile geschnittene Haferkörner. Am ehesten vergleichbar ist es mit Haferschrot, nur nicht in einer Mühle zerkleinert, sondern mit Stahlklingen. Die Verarbeitung des hofeigenen Hafers hat sich als Herausforderung entpuppt. Nur wenige Mühlen verarbeiten Hafer selbst – und wenn, dann zu Haferflocken. Der Traum vom eigenen Hafer bei der WM geht also leider nicht in Erfüllung, dafür gab es sehr viele Erkenntnisse über dessen Verarbeitung. Und jetzt kurz vor dem Bewerb haben Antonia und Karin auch gelernt, dass sie diesen traditionellen Holz-Spurtle immer falsch herum verwendet haben.
Danke an alle Beteiligten
Danke an Walter vom Dinkelhof Böhm in Martinsberg – bei dem wir immer unseren Dinkel entspelzen lassen, dass er sich darauf eingelassen hat, es testweise auch mit unserem Hafer zu versuchen. Danke an Anna Taubinger von der Kittelmühle in Bergland (wo auch unser Getreide immer hingeliefert wird) für die telefonische Beratung und das Schicken von Hafer zum Testen. Danke an einige weitere Mühlen, die bei den Recherchen telefonisch weitergeholfen haben: Schälmühle Nestelberger in Perg, DYK-Mühle in Raabs an der Thaya, Rosenfellnermühle in St. Peter in der Au und die Minderleinsmühle in Kalchreuth in Deutschland. Und im letzten Jahr kamen auch einige Testesser*innen zum Zug – danke für euer Feedback! Danke auch an Flora für das Töpfern und Glasieren der Schüsseln für den Spezialitätenporridge. Danke an Birgit für das Borgen des Kochthermometers und an Maria für die Mohnquetsche. Danke an Antonia – für den regionalen Riess-Kochtopf, das österreichische Bergsalz, die langjährige Freundschaft und die geteilte Liebe zu lustigen Aktionen.
Und wer tatsächlich bis hierher gelesen hat, will sicher einen Kinofilm über die Veranstaltung anschauen!
Die frisch erschienene Dokumentation „The Golden Spurtle“ über das gleichnamige Event läuft gerade in den Kinos (leider bisher nicht in Österreich). Oder ein kurzes Video vom 25. Bewerb.

Bauerngolf – Spiel und Spaß mit Gummistiefeln!

Bauerngolf ist ein Sport, der mit Gummistiefeln und herausfordernden Stationen an alten landwirtschaftlichen Geräten funktioniert. Das folgende Video zu den Österreichischen Bauerngolfmeisterschaften 2006 bei uns am Hof gibt einen guten Einblick in den wilden, stiefeligen Sport.
Und wer jetzt noch neugieriger ist als vorher, kann sich noch auf der offiziellen Bauerngolf-Seite vertiefen.
Silvestertradition Wunschzündholzboote
Hallo ihr Lieben! Mit dieser :: Videoanleitung zum Bau eines Wunschzündholzbootes :: wünschen wir euch einen schönen Start ins neue Jahr! Wunschzündholzboote gemeinsam Bauen und Abbrennen ist ein schönes und feierliches Silvesterritual. Viel Freude damit wünscht Familie Schroll.
Karin beim Schuhselbstbaukurs 2005
Karin war in der Waldviertler Schuhwerkstatt beim Schuhselbstbaukurs. Die Erkenntnisse, Freuden und Beschwerlichkeiten, wenn man selbst Lederschuhe macht – sind dokumentiert für die Ewigkeit in diesem PDF-Dokument. Wer sich dadurch inspiriert fühlt zu eigens gezimmertem Schuhwerk, findet hier die nächsten Termine für einen Kurs in Schrems.
